Der Anschlag von Michaël Chiolo stellt Frankreich vor neue Fragen

Thema radikaler Islam

Mit einer Reihe von Fragen müssen sich Ermittler bei dem islamistischen militanten Anschlag am Dienstag im Hochsicherheitsgefängnis Conde-sur-Sarthe befassen.

Wie gelang es dem Muslim, Michaël Chiolo und seiner Gefährtin Hanane Aboulhana im Hochsicherheitsgefängnis Conde-sur-Sarthe mit einem Keramikmesser, zwei Gefängniswärter angreifen, und dabei schwer zu verletzten?
Wenn das Messer wahrscheinlich von seiner Partnerin eingeschmuggelt wurde, als sie zu einem ehelichen Besuch kam. Warum wurde sie nicht ordnungsgemäß durchsucht?
Und drittens, warum wurde Chiolo – ein bekannter radikaler Islamist – im selben Gefängnis wie gewöhnliche Kriminelle verwahrt und nicht unter einer höheren Überwachungsebene?
Antworten auf die ersten beiden Fragen zu finden, sollte unkompliziert sein.
Französische Medien berichten, dass die Besucher der Family Life Units (UVFs) der Gefängnisse nur Metalldetektoren passieren müssen, die gegen Keramikklingen unbrauchbar sind. Körpersuche erfordert die Zustimmung.
Dies ist ein so eklatanter Sicherheitsfehler, der schwer zu verstehen ist, warum wurde er nicht in der Vergangenheit  korrigiert. Vermutlich wird es jetzt getan nach dem Menschen schwer verletzt wurden.
Die dritte Frage ist komplexer.

Wie Chiolo den radikalen Islam fand

Michaël Chiolo hat eine schmutzige Hintergrundgeschichte, deren Höhepunkt einer der abschreckendsten und berühmtesten Morde der modernen Zeit in Frankreich war.
Im Jahr 2012, im Alter von 20 Jahren, schloss er sich mit zwei anderen kleinen Verbrechern zusammen, um den 89-jährigen Roger Tarall auszurauben, der allein in der östlichen Stadt Metz lebte.


Tarall war ein Held aus dem Zweiten Weltkrieg, der wegen seiner Arbeit mit der Resistance in das Lager Dachau deportiert worden war, ihm aber entkommen konnte.
Chiolo und seine beiden Komplizen banden ihn fest und knebelten ihn so fest, dass er erstickte. Sie machten mit ein paar hundert Euro und seinen Medaillen davon. Ein paar Tage später, nachdem sie versucht hatten, eine Bar auszurauben, wurden sie erwischt.
Zuvor hatte Chiolo Berichten zufolge eine steile Karriere  hinter sich, die sich mit der äußersten Rechten auseinandersetzte und mit 17 sein bürgerliches Zuhause verließ.
Sein ehemaliger Anwalt erinnert sich an ihn als „hochintelligent und kultiviert“, aber auch als „etwas brutal“.
2010 konvertierte er zum Islam. Anfänglich und in der darauf folgenden kriminellen Phase gibt es keine Anzeichen dafür, dass dies ein besonderer Einfluss war. Aber nach dem Mord an Tarall wurde er ins Gefängnis gesteckt und die Dinge änderten sich. Chiolo wurde zweimal vor Gericht gestellt. Zuerst im Jahr 2014, als er zu einer 28-jährigen Haftstrafe verurteilt wurde, und im folgenden Jahr, als diese auf 30 erhöht wurde.
„Ich erinnere mich an ihn beim ersten Prozess in Metz“, erinnert sich sein damaliger Anwalt, Cédric Demagny.“ Er zählte ständig seine religiösen Perlen während der Anhörungen.
„Er war jung und sehr allein im Gefängnis. Die Radikalen streckten ihm die Hand entgegen. Danach machte er kein Geheimnis über sein Interesse am Islam. Dann wurde er immer extremer.
Dominique Rondu, Anwalt von Taralls Schwester, sagt, dass Chiolo beim ersten Prozess „ziemlich kalt, gleichgültig“ erschien. Bei der Berufung ein Jahr später „war klar, dass wir jetzt mit jemandem zu tun hatten, der sich radikalisiert hatte„.
Taralls Sohn Alain erinnert sich, dass Chiolo im ersten Prozess „mit diesem Lächeln der Befriedigung mich ansah. Es war ein Schauer“.
Beim zweiten Versuch „war er noch gefahrvoller – jetzt war klar, dass er gefährlich war“.
„Als das Urteil verkündet wurde, bedrohte er alle, Richter und Geschworenen. Niemand achtete damals darauf, aber wir hätten es tun sollen“, sagte er gegenüber der Zeitung „Le Républicain Lorrain“.

Warum wurde er nicht anders behandelt?

Weshalb wurde also ein junger islamisch Radikalisierter, in Berichten der Psychiater als „an einer schweren Persönlichkeitsstörung leitender“ und „ein ernsthaftes Risiko für andere beschrieben?  Warum, werden solche gefährlichen Menschen nicht in einem anderen Gefängnis verwahrt?
Weshalb durfte er dreitägige eheliche Besuche von seiner Verlobten, die er während der Inhaftierung kennengelernt  hatte haben? Aussagen zu folge soll, dass ein Freund  von arrangiert haben.  Gefährtin Hanane Aboulhana  kam völlig verschleiert ins Gefängnis.
Laut französischen Berichten stand Chiolo auf der Liste der bekannten Bedrohungen des Gefängnisdienstes.
In Conde-sur-Sarthe verbrachte er seine Zeit jedoch im regulären Flügel und nicht im neuen ultra-sicheren QPR oder Radicalization Prävention Quartiers.
Gewerkschaften des Gefängnisdienstes mit zwei verletzten Kollegen haben ihren Ärger über diese jüngste Sicherheitsverletzung gelüftet.
Viele in Frankreich fragen sich immer wieder, warum Gefängnisse in Bezug auf den radikalen Islam eher ein Problem als eine Antwort sind.

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