Deutscher Bundestag: Afghanen retten, die uns geholfen haben
Offizielles Foto von Petty Officer First Class Ryan Tabios, ISAF HQ Public Affairs

Deutsche Politiker appellieren direkt an Bundeskanzlerin Angela Merkel, die Sicherheit von Afghanen zu gewährleisten, die den Nato-Truppen im Land geholfen haben.

Nach Angaben Berlins haben Hunderte von Afghanen ein Aufenthaltsrecht in Deutschland erhalten, nachdem sie während des 20-jährigen Krieges den deutschen Truppen geholfen haben.

Aber Afghanen und ihre ehemaligen Kollegen in den deutschen Streitkräften sagen, dass Tausende noch kein Visum erhalten haben, während bürokratische Hürden die Menschen in der Schwebe halten.

Während die Taliban auf dem Vormarsch sind, hat eine parteiübergreifende Gruppe deutscher Abgeordneter einen Brief an Bundeskanzlerin Merkel geschickt, in dem sie sie auffordert, „moralische Verantwortung“ für das Schicksal der afghanischen Mitarbeiter zu übernehmen.

„Die Uhr tickt und Deutschland läuft Gefahr, seine Verpflichtungen gegenüber dem einheimischen Personal in Afghanistan zu verraten“, heißt es darin.

„Wir sind beschämt und fassungslos über die Art und Weise, wie deutsche Regierungsinstitutionen mit dem afghanischen Personal umgehen, das über viele Jahre hinweg loyal und zuverlässig unserem Land gedient und für die Sicherheit unserer Truppen gearbeitet haben.“

Die Politiker sagten, Deutschlands Ruf stehe auf dem Spiel, als sie Frau Merkel aufforderten, das Antragsverfahren für Afghanen zu beschleunigen, die Repressalien der Taliban fürchten.

Sie sagten, Berlin solle Charterflüge organisieren, die Kosten für die Einreise nach Deutschland übernehmen und die Sicherheit der mehr als 2.000 Menschen ohne Visum gewährleisten.

Die Sicherheitslage in Afghanistan „wird jeden Tag prekärer und die Gefahr für das Personal vor Ort steigt“, sagten sie.

„Wir wissen, dass ein Land wie Deutschland sich das leisten kann, und es würde uns zur Ehre gereichen. Unser Wort zu halten, ist das Gebot der Stunde. Zumindest sind wir es diesen Menschen schuldig, dass wir sie nach ihren langen und gefährlichen Einsätzen für unser Militär nicht einfach ihrem Schicksal überlassen.“

Unterzeichnet wurde der Brief vom Menschen-rechtspolitischen Sprecher von Merkels eigener konservativer Fraktion Michael Brand und seinen Kollegen von den Grünen, der SPD und der FDP.

Der Sprecher der Bundeskanzlerin, Steffen Seibert, sagte vergangene Woche, Berlin sei sich seiner Verantwortung gegenüber den afghanischen Mitarbeitern bewusst.

Er sagte, nicht alle Afghanen, die für ein Visum infrage kämen, wollten sofort nach Deutschland ziehen.

Der Chef der EU-Außenpolitik, Josep Borrell, sagte diese Woche, dass die Kämpfe in Afghanistan beim Abzug der Nato-Truppen gravierende Auswirkungen auf die Zivilbevölkerung haben.

Asyl für Afghanen

Die Taliban kontrollieren nach eigenen Angaben 85 Prozent Afghanistans und die internationale Sorge um die Versorgung des Landes mit Medikamenten und Nachschub nimmt zu.

Kritiker der deutschen Regierung sagen, das Verfahren für den Aufenthalt in Deutschland sei zu restriktiv.

Der deutsche Innenminister Horst Seehofer hat im letzten Monat eine Regel abgeschafft, nachdem der Visumantragsteller in den letzten zwei Jahren für die deutschen Streitkräfte gearbeitet haben müssen. Aber es gibt immer noch eine Unterscheidung zwischen denjenigen, die direkt für das deutsche Militär gearbeitet haben, und denjenigen, die von anderen zivilen Stellen angestellt wurden.

Großbritannien steht unter ähnlichem Druck, sich um afghanische Dolmetscher zu kümmern, die seinen Truppen während des 20-jährigen Einsatzes geholfen haben.

Die uns geholfen haben

Einige deutsche Soldaten, die während des Nato-Einsatzes in Afghanistan dienten, sammelten Geld, um dem afghanischen Personal zu helfen.

Marcus Grotian, der 2011 in Afghanistan stationiert war, sagte, dass Tausende noch kein Visum erhalten hätten oder nicht in der Lage seien, es zu beantragen. Er gründete ein Unterstützungsnetzwerk für die Afghanen, die seiner Meinung nach ihr Leben aufs Spiel gesetzt haben, indem sie den Nato-Truppen geholfen haben.

Volker Wieker, ein deutscher General und ehemaliger Generalstabschef der Streitkräfte, ist ein Schirmherr der Unterstützungsgruppe.

Auf die Frage, wie Frau Merkel die Wohltätigkeitsbemühungen sehe, sagte Seibert, sie zeigten die Kameradschaft zwischen Soldaten und afghanischem Personal.

Deutschland, das mehr als 150.000 Soldaten nach Afghanistan entsandt hat, hat seine verbliebenen Streitkräfte Ende letzten Monats aus dem Land abgezogen.

Insgesamt 59 deutsche Soldaten wurden in dem Konflikt getötet.

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By ISAF Headquarters Public Affairs Office – originally posted to Flickr as 090722-N-1175T-090, CC BY 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=11890650

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