Deutschland: Geld fürs Nichtstun

Deutsche Forscher geben 120 Personen drei Jahre lang 1.200 Euro monatlich Geld fürs Nichtstun, um zu sehen, wie sich ihr Verhalten ändert, nachdem eine Studie in Finnland ergeben hat, dass ein ähnliches Experiment arbeitslose Finnen nicht dazu ermutigt hat, Arbeit zu finden.

Am Dienstag begannen die Forscher mit der Antragstellung für die deutsche Langzeitstudie über das Geld fürs Nichtstun (universelle Grundeinkommen), bei der 120 Personen unabhängig von ihrem Beschäftigungsstatus und ihren finanziellen Mitteln 1.200 €  erhalten werden.

Eine Kontrollgruppe von 1.380 Personen in vergleichbaren Lebenssituationen wird kein Gehalt erhalten, aber beobachtet, um zu untersuchen, wie sich das Verhalten der UBI-Testpersonen im Laufe der Zeit ändert. Die Vereinigung Mein Grundeinkommen unterstützte das Projekt, das von privaten Spendern finanziert wird.

Der Wissenschaftler Jürgen Schupp vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) sagte dem Spiegel am Dienstag, die Initiative sei nicht nur ein Experiment, ob freies Geld die Deutschen glücklich macht.

 Geld fürs Nichtstun?

„Die Glücksforschung hat längst bewiesen, dass mehr Geld das Wohlbefinden steigert. Aber wir wollen noch viel mehr herausfinden: Inwieweit beeinflusst ein solch verlässlicher, bedingungsloser Geldfluss die Einstellungen und Verhaltensweisen der Menschen – in relevanten Lebensbereichen? Wie verändern sich z.B. das Berufsleben, die Tagesstruktur, das Engagement, die Ernährung oder Beziehungen? Und wie unterscheidet sich das je nach Alter, Wohnort, sonstigem Verdienst und so weiter? Das sind eine Menge spannender und bisher unbeantworteter Fragen“, sagte Schupp.

Es ist nicht das erste Mal, dass ein Land der Europäischen Union Untersuchungen darüber durchführt, wie man den Bürgern kostenlos Geld gibt. Bei einem Projekt in Finnland im Jahr 2017 wurde festgestellt, dass die Gewährung eines monatlichen Einkommens von 560 € (490 £/634 $) an Arbeitslose keinen Anreiz zur Arbeitssuche bot; die Forscher stellten jedoch fest, dass sie sich besser fühlten als diejenigen in der Kontrollgruppe, die kein Geld erhielten.

Das universelle Grundeinkommen ist zu einem wichtigen Wahlkampfthema für die extremen Linken in der amerikanischen Demokratischen Partei geworden, darunter Ilhan Omar und der ehemalige Präsidentschaftskandidat und Unternehmer Andrew Yang. Deutschland: Geld fürs Nichtstun?

Zu Beginn der chinesischen Coronavirus-Pandemie nahmen die Figuren auf der rechten Seite jedoch zögerlich die Idee einer vorübergehenden UBI auf, als die Länder sich einschlossen und die Unternehmen begannen, Mitarbeiter zu entlassen. Im März forderte der Vorsitzende der Brexit-Partei, Nigel Farage, “ Helikoptergeld“ in Höhe von 1.000 Pfund, das jedem Erwachsenen drei Monate lang ausgezahlt werden sollte, da er befürchtete, dass 11 Millionen Briten ohne festes Einkommen darunter leiden würden. Die Vereinigten Staaten verabschiedeten in jenem Monat ein ähnliches Gesetz.

Großbritannien ging diesen Weg nicht, sondern entschied sich stattdessen für das Coronavirus Job Retention Scheme, bei dem Arbeitgeber 80 Prozent der Löhne ihrer Mitarbeiter von der Regierung zurückfordern konnten, wenn diese wegen der Pandemie auf Urlaub geschickt wurden.

Mehrere europäische Länder verfolgten einen ähnlichen Weg der Urlaubszahlungen. Deutschland plant den Berichten zufolge eine Verlängerung seines Beurlaubungsprogramms um zwei Jahre mit geschätzten Kosten in Höhe von 10 Milliarden Euro.

Das britische Programm soll im Oktober auslaufen und hat rund 35 Milliarden Pfund gekostet. Letzten Monat sagte Premierminister Boris Johnson den Briten, dass es Zeit sei, wieder an die Arbeit zu gehen: „Es ist sehr wichtig, dass die Menschen wieder arbeiten gehen, wenn sie es jetzt können. Ich denke, jeder hat irgendwie das ‚zu Hause bleiben, wenn man kann‘ – ich denke, wir sollten jetzt sagen, nun, ‚zurück an die Arbeit gehen, wenn man kann‘.

Eine Analyse von Morgan Stanleys Forschungseinheit AlphaWise fand Anfang des Monats heraus, dass britische Angestellte im Vergleich zu Deutschen (70 Prozent), Italienern (76 Prozent), Franzosen (83 Prozent) und Spaniern (73 Prozent) am meisten zögerten, ins Büro zurückzukehren (34 Prozent). Nur etwas mehr als die Hälfte (52 Prozent) aller britischen Arbeitnehmer sind an ihren Arbeitsplatz zurückgekehrt, verglichen mit etwa drei Vierteln der Deutschen, Italiener und Spanier und 83 Prozent der Franzosen.

Die wirtschaftlichen Kosten der Pandemie machen sich im Vereinigten Königreich bereits bemerkbar, da das Land zum ersten Mal seit 11 Jahren in eine Rezession gerät.

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