Rothschild-Erbe beschuldigt Wien, NS-Gesetze
Mausoleen am alten Jüdischen Friedhof

WIEN – Ein Mitglied der Familie Rothschild verklagt die Stadt Wien und wirft ihr vor, die nationalsozialistischen Gesetze durch Plünderungen der Stiftung der jüdischen Bankenfamilie aufrechtzuerhalten.

Die Financial Times berichtete, dass der Streit um die lang vergessene gemeinnützige Stiftung, die psychiatrische Hilfe leisten soll, einer der größten Rückerstattungsansprüche der Nachkommen der Opfer des NS-Regimes ist. Der Rothschild-Erbe beschuldigt Wien, NS-Gesetze „aufrecht zuhalten“.

Die österreichische Tageszeitung Kurier und die Zeitschrift Profil berichteten in ähnlicher Weise über den Fall, für den am 20. Februar eine Anhörung vor einem Wiener Bezirksgericht anberaumt wurde.

Wien „hat so getan, als ob die NS-Konfiskationsbescheide noch in Kraft wären“, so die gemeldeten Gerichtsakten des Anwalts von Geoffrey Hoguet, einem Nachkommen des jüngeren Bruders von Nathaniel Freiherr vonRothschild.

Rothschild – ein Mitglied des österreichischen Zweigs der wohlhabenden Familie, der ursprünglich aus Frankfurt stammte – hinterließ bei seinem Tod im Jahr 1905 umgerechnet rund 100 Millionen Euro, um den Bedürftigen psychiatrische Hilfe zu leisten.

Die in seinem Namen gegründete Stiftung, die ursprünglich von einem 12-köpfigen Komitee der Familie Rothschild geleitet wurde, betrieb schließlich zwei Sanatorien – das erste, das 1912 eröffnet wurde und heute noch als neurologisches Zentrum dient.

Die Nationalsozialisten annektierten Österreich 1938, vertrieben die Rothschilds in diesem Jahr und lösten die Stiftung 1939 auf.

Nach dem Zweiten Weltkrieg, 1956, wurde es von der Stadt Wien neu gegründet und verwaltet, nicht mehr unter einem 12-köpfigen Komitee.

– Verkauf ’stark unterbewertet‘ –

Hoguet – ein prominenter Investor aus New York und finanzieller Unterstützer des Kandidaten für die Präsidentschaft der Demokratischen Partei, Pete Buttigieg – sagt nun, dass ein unabhängiges Managementkomitee wieder eingesetzt werden sollte.

Den Berichten zufolge hat er der Stadt vorgeworfen, die Stiftung unter Verstoß gegen den Willen ihres Gründers angeeignet zu haben.

Der 69-Jährige will auch den Verkauf eines der Sanatorien Anfang der 2000er-Jahre zunichte machen – eines spätbarocken Palastes, der angeblich eines der ersten Zentren für psychische Gesundheit in der Welt war.

Er behauptet, es sei zu einem „stark unterbewerteten“ Preis an die Stadt verkauft worden, so die Financial Times.

Hoguets Gerichtsverfahren zielt auch darauf ab, eine Klausel aus dem Jahr 2017 aufzuheben, die festlegt, dass das Vermögen der Stadt Wien zugute kommen würde, wenn die Stiftung aufgelöst würde.

Ein Anwalt der Stadt Wien sagte in einer Erklärung, dass Vereinbarungen in Bezug auf die Stiftung vor Jahrzehnten mit „größtem Respekt und absolut im Einklang mit dem Stiftungszweck“ getroffen wurden.

Es ist nicht der erste Fall, der die Auseinandersetzung Österreichs mit seiner Vergangenheit beleuchtet.

Das berühmte Wiener Leopold Museum hat 2016 einen langjährigen Streit über fünf von den Nazis geplünderte Zeichnungen des österreichischen Malers Egon Schiele mit den Nachkommen des jüdischen früheren Besitzers der Werke beigelegt.

Seit Österreich 1998 ein Gesetz zur Rückgabe zahlreicher von den Nationalsozialisten gestohlener Kunstwerke verabschiedet hat, wurden Tausende zurückgegeben – darunter bedeutende Werke im Wert von mehreren Millionen Euro. Der Rothschild-Erbe beschuldigt Wien, NS-Gesetze „aufrecht zuhalten“.

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