„Und wo ist eigentlich Heiko?“

POLIZEI jagt Schulschwänzer

Es war in der DDR, zu einer Zeit, als Schulschwänzer noch nicht von der Polizei in die Schule geschafft wurden.

Auch damals wurde die Schule geschwänzt. Einige fehlten öfter. Ein Schulschwänzer wohnte nicht weit von der Schule. Der wurde dann mehrmals von Schülern in die Schule geholt. Eines Tages erwischte es mich. Ich mußte mit dem Greifertrupp mit. Die anderen hatten ja Erfahrung.

Nach zehn Minuten standen wir vor dem Haus. Ein Fenster war weit offen. Das ging zur Wohnstube. Die Haustür war nicht verschlossen. Ein Teil der Kinder zum Fenster rein, ein anderer zur Haustür rein. Ich stand draußen, denn ich hatte in dem Haus nichts zu suchen. Ob, wie und wann er zur Schule ging war seine Sache. Schreie, Heiko ist nicht da. Keiner da, Eltern auf der Arbeit, keine Geschwister da. Alles offen. Dann ein Schrei, Heiko sei im Hof. „Der will abhauen!“ Hinten hörte man kurzes Handgemenge und Geschrei: „Laßt mich in Ruhe!“ Gegenantworten. Sie hatten Heiko die Arme so verdreht, daß er nur im Entengang gehen konnte. Jemand holte noch seine Schultasche. Das Haus blieb offen. Er ging einen halben Kilometer im Entengang zur Schule. Ich habe ihn nicht angefaßt und bin nur mitgelatscht.

Heiko saß dann, abwesend wirkend, auf seinem Platz.
Nach etwa zwei Stunden fragte ein Mädchen:
„Und wo ist eigentlich Heiko?“

So viel zu Schulschwänzern in der DDR.